Vermeidung von Zusammenstößen in vielbefahrenen Gewässern

Am Freitag, den 26. Oktober gegen 19 Uhr stieß die 101 m lange Megaluxusyacht Attessa IV mit einem 20 m langen Sportfischerboot zusammen, das laut Zeitungsartikeln den Namen „Prowler“ trug. Der Zusammenstoß ereignete sich vor der Westküste der USA, etwa neun Meilen vor Imperial Beach, das zwischen San Diego und dem mexikanischen Tijuana liegt. Die Prowler befand sich zum Zeitpunkt der Kollision mit etwa 17 Sportfischern an Bord auf dem Rückweg von einem Freizeitangelausflug. Diese riss ein klaffendes Loch in die Steuerbordseite des Fischerboots und verursachte weitere massive Schäden. Glücklicherweise sank das Boot nicht. Berichten zufolge erlitt die Attessa IV nur geringfügigen Schaden. Drei Personen wurden verletzt, darunter der 66-jährige Mr. Richard Neff aus San Clemente, der schwere Kopfverletzungen davontrug. Er wurde von der Küstenwache mit dem Hubschrauber ins Krankenhaus gebracht, erlag dort aber leider seinen Verletzungen.

Warum kam es zum Zusammenstoß?

Die Insassen des Fischerboots stellten sich die gerechtfertigte Frage: Wie kam es zu diesem Zusammenstoß?

Sie äußerten sich überrascht darüber, dass es keine Warnungen gab, bevor die zwei Schiffe zusammenstießen, und möchten wissen, wie es möglich war, das dies geschah, wo doch beide mit einem Radar ausgestattet waren. Die US-Küstenwache untersucht die Ursache des Unfalls und wird jeden befragen, der sich an Bord der zwei Schiffe befand. Der Abschluss dieser Untersuchungen ist erst in einigen Monaten zu erwarten.

Vermeidung von Zusammenstößen auf See

Leider steigt das Risiko für Zusammenstöße, da unsere Meere immer überfüllter werden, besonders in vielbefahrenen Küstenregionen. Besorgniserregenderweise kam es in US-amerikanischen Gewässern im Jahr 2017 zu 1.145 Kollisionen, an denen Freizeitboote beteiligt waren.

Das verkehrsreichste Gewässer um die britischen Inseln ist erwartungsgemäß der Ärmelkanal. Die Straße von Dover wird täglich von 400 bis 500 Schiffen befahren. Dabei handelt es sich hauptsächlich um kommerzielle Handelsschiffe wie Containerschiffe, Tanker, Frachtschiffe und Autotransporter sowie Fischereifahrzeuge und natürlich Fähren. Ein streng geregeltes System getrennter Zonen sorgt für einen sicheren Ablauf dieses stetigen Stroms an Schiffsverkehr.

Will man sich mit einer Motoryacht auf diese verkehrsreichen Schifffahrtsstraßen wagen, erfordert dies Vorbereitung und Wachsamkeit. Außerdem benötigt man Wissen und Kenntnisse darüber, was auf den Brücken der verschiedenen Handelsschiffe vor sich geht, deren Wege man kreuzen muss. Gute Seeleute behalten immer den Überblick, indem sie Sicht, Geräusche und natürlich das Radar nutzen. Allerdings sollte man stets bedenken, dass die Standards an Bord mancher kommerzieller Schiffe nicht so hoch sind, wie sie sein sollten, und dass ein vielbeschäftigter Wachoffizier durch eine Vielzahl von Verantwortlichkeiten abgelenkt sein kann. Yachtkapitäne müssen sich auch der Sichteinschränkungen bewusst sein, die auf vielen großen Handelsschiffen herrschen, besonders, wenn diese mit Containern voll beladen sind.

Es ist essenziell, dass Yachten Radarreflektoren nutzen. Glasfaseryachten erzeugen nicht immer zuverlässige Radarechos, was bedeutet, dass sie für das Radar eines Schiffs nahezu unsichtbar sein können. Sorgfältig ausgewählte und ordentlich angebrachte Radarreflektoren an Ihrem Schiff steigern die Intensität des Radarechos. Das ermöglicht es der automatischen Radar-Plothilfe (automatic radar plotting aid, ARPA) eines Handelsschiffs, den Kurs Ihrer Yacht präzise zu verfolgen und die Schiffswache zu vorzuwarnen, wenn Sie sich innerhalb einer bestimmten Reichweite oder auf Kollisionskurs befinden.

Nachts ist es für Freizeitschiffe auf verkehrsreichen Schifffahrtsstraßen besonders riskant. Die Positionslampen kleinerer Fahrzeuge können sehr schwer zu erkennen sein, selbst über relativ kurze Distanzen. Es lohnt sich, dafür zu sorgen, dass Ihre Positionslampen ausreichend hell und optimal an Ihrem Boot angebracht sind.

Kapitäne von Motoryachten müssen im Kopf behalten, dass ein Handelsschiff mit 20 Knoten unterwegs sein und einen Wendekreis von mehreren Meilen haben kann. Wenn der wachhabende Offizier nicht genug Zeit hat, ein Ausweichmanöver einzuleiten, während sein Schiff auf Ihre Motoryacht zusteuert, kann es zur Katastrophe kommen. Es lohnt sich, in unmittelbarer Nähe Ihrer Steuerposition für den Notfall mehrere Anti-Kollisions-Leuchtraketen bereitzuhalten, falls Ihnen ein Handelsschiff zu nahe kommt.

Die Vermeidung von Zusammenstößen auf vielbefahrenen Schifffahrtsstraßen ist eine der größten Herausforderungen für Yachtfahrer. Sie erfordert ausgezeichnete Seemannskunst, regelmäßige, strenge Prüfung der Sicherheitsausstattung Ihrer Yacht und das Bewusstsein um die Herausforderungen, vor denen kommerzielle Schiffe stehen.